Jette in Brasilien

Freiwilligendienst in Porto Alegre

Die letzte Reise!

Brasilien ist groß, deswegen konnte ich nicht ruhen, ehe ich nicht noch das kleine Städtchen Bagé gesehen hatte! Dieses liegt rund 400km von Porto Alegre entfernt in unserem stolzen Bundesstaat Rio Grande do Sul, südlich und sehr nah an Uruguay.
Mittwoch um 24Uhr ging die Reise los um 5.30Uhr kam ich in Bagé an. In der Pousada do Sobrado eingetroffen, eingewiesen, ruhte ich mich erst noch etwas aus, dann gings los.
Ah, nein. Zum Ausruhen schon die ersten Pluspunkte: Die Matratze in meinem Bett war beheizbar!! Der Wahnsinn. Das fühlt sich so an, als hätte jemand schon den Schlafplatz warmgelegen, bevor man sich selbst hinlegt.

Die Pousada do Sobrado ist ein recht nobler Landsitz, der einer ewig alten Familie gehört. Einer deren Töchter war sogar mal mit einem uruguaianischen Präsidenten verheiratet. Also: Diese Pousada ist geschichtsträchtig. Und sieht auch so aus. Das Hauptgebäude wurde von Sklaven gebaut, innen stehen lauter alte Möbel, die man sich kaum anzufassen traut.

Der „Garten“ ist wundervoll angelegt. Mit vielen Tieren, einem künstlichen See (ebenfalls von Sklaven erbaut), einer künstlichen Grotte.

Was habe ich dort gemacht? Nachdem ich am Donnerstagmorgen Bagé unsicher machte, ein wenig die Hauptstraße entlanggeschlendert war, mir Rathaus, Bibliothek, Kulturzentrum und andere schicke Gebäude angeschaut hatte, ließ ich einfach nur die Seele baumeln. So richtig gefaulenzt habe ich. Die Ruhe genossen, die Natur, das Gänseschnattern.

Nach einer weiteren Nacht mit beheizbarer Matratze ging es am Freitagmittag auch schon wieder zurück nach Porto Alegre, wo ich abends mittem im Berufsverkehr wieder ankam. Und wo mir auffiel, wie extrem laut diese Stadt ist.

Entspannt und erholt, wie ich nun bin, trotze ich dem Großstadtstress und freue mich auf die letzten Tage in Brasilien!

Meine Lieben, es gibt extrem viele neue Fotos auf http://picasaweb.google.com/jetteaufreisen

Und zwar:
1.) Vom Projekt („Sora Jette“)
2.) Die letzten Wochen („Acabou…Boa sorte“)
3.) Verspätet: Rio de Janeiro („Cidade Maravilhosa-Ostern in Rio“)

4.) Bilder aus Bagé („Nichtstun auf der Farm“)

Aufs baldige Wiedersehen,

Jettinha

Já sei namorar!

 

Beim Kochen mit und für Carlo! Unser Lieblingsbrasilianer, den wir leider schon haben verabschieden müssen!

Als ich nach Karneval aus dem Urlaub wiederkam und noch sechs Monate Brasilien vor mir hatte, da sprach ich altklug: „Kinder, die Zeit wird schnell vergehen. Erst Ostern in Rio, Mamas Besuch, dann die WM und dann ists ja echt nicht mehr lange…“
Fünf Monate später, also heute, stelle ich fest: Ich hatte sogar recht! Rio war richtig toll, meine Mama kam leider nicht. Die Zeit verging trotzdem schnell. Mittlerweile ist Spanien Weltmeister und – ohwei… bis zum Rückflug dauerts wirklich nicht mehr lange!

Genau zu dieser Zeit nach Karneval sprach ich ebenfalls altklug: „Blöd, dass der Sommer jetzt vorbei ist und wir nur noch die beschissenen regnerischen Wintermonate vor uns haben.“

Haha, zum Glück irrte ich mich. Jeden Tag male ich in meinen Kalender entweder eine Sonne oder eine dicke Regenwolke und ich verkünde mit Freuden: Ganz viele Sonnen habe ich eintragen können! Sicher, wenn die Sonne nicht scheint, dann ist es wirklich richtig kalt. Aber in der letzten Woche konnte ich meine Deckenanzahl von 5 wieder auf zwei heruntersetzen und ja, sogar die zwei Decken waren mir manchmal zu warm. Toll, wenn man es sich nach einem gewonnen Spiel gegen Argentinien mit einem Bierchen in der Hand im Park bequem machen kann, in FlipFlops und Tshirt. Und nachts bei geöffnetem Fenster und lauem Lüftchen schlafen kann.

Was ist sonst passiert, außer dem Sommereinschub?!

Ganz klar, WM. Da verweise ich auf meinen Artikel in RP, der beschreibt recht gut, wie wir die WM erlebt und verlebt haben. http://www.rp-online.de/niederrheinsued/viersen/nachrichten/viersen/Brasilianisches-Wintermaerchen_aid_879096.html

Während sich Brasilien schon früh verabschiedete, versammelten sich sämtliche Deutsche und jene, die deutsch lernen, im porto alegrensischen Goethe-Institut. Dort gabs Freibier und Brezeln. Das Bier war mir wurst, aber die Brezeln waren nach elf Monaten mein persönliches Highlight!

Ein weiteres Erlebnis war unsere Wohltätigkeitsausstellung!

Da einige unserer Projekte recht arm sind, hatte Lina die Idee, eine Ausstellung zu organisiern, in der wir Fotos und Videos von unserer Arbeit zeigen, Kuchen und Getränke zu verkaufen und das eingesammelte Geld zu spenden. Angeleitet also von Lina, verbrachten wir die letzten Wochen damit, Videos zu machen, zu fotographieren, Getränkespenden zu sammeln, Kuchen zu backen und Flyer zu verteilen.

Vorallem das Filmen hat mir den größten Spaß gebracht! Gefilmt wurde der Freiwillige bei der Durchführung einer seiner Unterrichtsstunden (in meinem Fall also der Flötenunterricht), ein Interview der jeweiligen Schüler und ein Interview mit dem Freiwilligen selbst. Zu diesem Anlass konnte ich zum Beispiel das Projekt von Niklas besuchen, das mitten in einer vermüllten Vila steckte, wo es aus schlicht zu vielen Winkeln nach Gras roch.

Und wo wir gerade beim Thema Vila sind: Kürzlich übernachtete ich bei einer meiner Arbeitskolleginnen. Sie wohnt mitten in einer solchen. Es war total toll, sie dort mal besucht zu haben. Ich traf auf einige meiner Projektkinder und erlebte so, wie es ist, auch nach Arbeitsschluss noch die „Sora Iete“, die Profesora Jette, zu sein. Leider übernachtete ich bei ihr in einer Nacht, in der wirklich noch Winter war. Zwar besteht ihr Haus immerhin aus Stein, jedoch befinden sich zwischen Dach und Wand Frischluft-Spalten und auch die Wände selbst waren hier und da etwas löchrig. So lag ich im Bett und konnte meinen Atem sehen!

Ein fröhliches „Até mais“!

Clima de romance?? Nein: Clima de futbol!

Ach ja, Liebe muss schön sein.
Bei sonnigem Wetter im Park, Händchen haltend, lachend, verliebt. So könnte es sein.
Die bittere Wahrheit, Alptraum eines jeden Singles:
Im Bus, in der Bahn, in der Bar, an der Bushaltestelle – überall sind sie! Verschlungen, aneinander klebend, sich auffressend, gewisse Gesichtsteile den einzelnen Beschäftigten nicht mehr zuzuordnen… Unsere verliebten Pärchen!
Die ständige Präsenz dieser Turteltäubchen muss natürlich gefeiert werden. Das tut man in Deutschland ja auch. Deswegen gibt es hier ebenfalls einen Valentinstag, den „Dia dos Namorados“, Tag der Pärchen.
 

Só Love! Nur Liebe?

Und weil die Stadt anscheinend noch nicht voll genug ist mit sich abschlabbernden Verliebten, wird der „Dia dos Namorados“ noch gleichzeitig genutzt, um noch mehr von ihnen zu finden bzw. damit sich noch mehr von ihnen finden.
Während an einem Valentinstag in Deutschland nun alle Glücklichen mit Röschen in der Hand die Straßen unsicher machen und die Alleingelassenen traurig und weinend in ihre eigenen vier Wände flüchten, nutzt ein brasilianischer Single diesen Tag zum Feiern, Abchecken und Aufreißen.
 
 
 Nun bin ich aber ein deutscher Single.
So schaute mir am Dia dos Namorados lediglich diverse Fussballspiele an, ging mit meiner Gastfamilie essen, joggte und verbrachte einen schönen Abend mit Carlo und den Mädels bei Anna. Wir kochten lecker, quatschten und genossen unser körperkontaktfreies Beisammensein.
Als ich nach Hause lief, kamen mir entweder glückliche Pärchen entgegen, oder ich wurde von grölenden und baggernden Wesen angehupt. Da vergeht die Lust zum Feiern, wäre man doch nur damit beschäfigt, entweder angeekelt wegzuschauen oder sich entnervt von Händen am Po zu befreien. 
 

Alles für ein schönes Beisammensein... hach ja.

Nicht feiern zu gehen, stellte sich als gute Entscheidung heraus, denn so waren wir fit und aufgeweckt fürs Spiel!
Lara’s Gastfamilie hatte eingeladen:
 
0. Minute: Zögernd gesungene Nationalhymne!
5. Minute: Zunächst anhaltende Beschwerden über angebliche Schwäche der deutschen Mannschaft!
 8. Minute: „Abseits. Nein. Hä? Was? 1:0? Wah!“ TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR!!!!
10. Minute: Bratäpfel!! Anna hatte – passend zum winterlichen Wetter – schön weihnachtliche Bratäpfel gemacht!
14. Minute: Mir wird warm….
26. Minute: TOOOOOOOOOOOOR!!! Von „Klosi“ (Zitat: Sprecher im Fernsehen)!
Halbzeitpause: Fingernägel in Schwarz-Rot-Gelb angemalt! Hilft bestimmt beim Anfeuern!
50. Minute: Meine Stimme wird heiser…
55. Minute: Es gibt Popcorn!
61. Minute: Anna fragt Juliana (brasil. Freundin): „Findest du die deutschen Spieler hübsch?“ Zögern. „Ja“. „Sei ehrlich!“ „…Doch, doch. Sie sind hübsch… Aber ich finde die Australier hübscher!!“… :-) Recht hat sie!
62. Minute: Aufgrund der gutaussehenden Australier beschließen wir, dass es doof wäre, wenn Australien in der Gruppenphase rausfliegt…
68. Minute: Naja, egal. TOOOOOOOOOR!
69.Minute: Puh!
70. Minute: TOOOOOOOOR! Muito obrigada, Cacau! Vielen Dank!!! Auf die Brasilianer ist Verlass!!
90. Minute: Caipirinha!
91. Minute: Meine Stimme kratzt.

Das war es fürs Erste!

Nochmals verweise ich auf die Bilder vom Freundschaftsspiel Brasilien:Deutschland!! http://picasaweb.google.com/jetteaufreisen/Brasilien01Deutschland

Beijos,

Jettinha

Deutschland:Brasilien

Schon vor dem ersten Spieltag der WM fanden sich Deutschland und Brasilien überraschenderweise zu einem Freundschaftsspiel zusammen!

Ein solches Spiel durften wir natürlich nicht verpassen, so fanden wir Mädels uns bei mir zu Hause zusammen und fieberten mit für unser Heimatland! Mit Erfolg, Deutschland gewann mit 1:0!!

Fotos gibts unter: http://picasaweb.google.com/jetteaufreisen/Brasilien01Deutschland#

Beijo!

Caramba in Cambará!

Boa tarde!

Von den vielen Feiertagen, die es in Deutschland zum Sommeranfang gibt, ist hier leider nur einer angekommen. Doch immerhin hatten wir so endlich mal wieder ein langes Wochenende und die Zeit, unseren schoenen Bundesstaat „Rio Grande do Sul“ zu erkunden.

So besuchten Lara, Mona und ich die Stadt Cambará do Sul, ein Kuhkaff mitten in der Pampa und umgegen von der Attraktion schlechthin: Canyons!

Nun bin ich faul, Mona hat ausserdem schon einen sehr schoenen Blogartikel zum Ausflug verfasst. Also:

Spontan ging es dieses Wochenende in die „Wildnis“ und zwar nach Cambará do Sul!

Am Freitag sind Jette , Lara und ich um 6.00 Uhr morgens mit dem Bus losgefahren. Die schoene, verschlafene, kleine gaúcho Stadt liegt in der Serra Gaúcha und ist wundervoll.

Die Maenner dort tragen die traditionelle Hose und ich haette mir fast auch eine gekauft, weil die einfach unglaublich bequem sind aber das entspricht dann doch nicht meinem Kleidungsstil.

Beim Ticketkauf hat uns die Frau gefragt ob wir eine Versicherung abschliessen wollen und uns war nicht so ganz klar warum. Als dann der Bus in einem affenzahn die „Landstrasse“ entlanggebrettert ist, wurde mir so einiges klar doch zum Glueck kamen wir heil an.

Wir haben in einer Pausada uebernachtet und die Frau war ein kleiner Engel. Sie hat uns gleich noch einen Taxifahrer bestellt, der uns zu den Canyons gefahren hat. Durch Matsch und Schlamm ging es dann zu den Canyons und es war traumhaft. Zuerst war es noch sehr neblig, doch wir haben etwas gewartet und der Nebel hat sich immer mehr verzogen und dann hatten wir eine wunderschoene Sicht.

Am Samstag ist unser Passeio nach Fortaleza leider ausgefallen, weil die Strassen nicht passierbar waren und dann sind wir einfach auf eigene Faust zu einer Fazenda gelaufen und haben uns dort einen Wasserfall angeschaut. Auf dem Weg dorthin haben wir uns ploetzlich auf einer Kuhweide wieder gefunden und erst wussten wir nicht ob wir weitergehen oder umdrehen sollten. Doch dann wurden wir boese von der Seite angemuht und haben uns verzogen:)

Es war so schoen einfach durch Wald und Wiesen zu laufen, zu singen und die Natur zu geniessen.

Nachts waeren wir fast erfroren, denn es war unglaublich kalt. Das Haus hatte keine Heizung und wi haben mit 3 Pullis und 4 Decken geschlafen. Nur der Kopf hat noch raus geschaut und waere fast festgefroren:)!

In der zweiten Nacht hat uns die Besitzerin der Pausada eine Standheizung ins Zimmer gestellt und dann war es gleich viel schoener und gemuetlicher. Lara lag nur direkt daneben und konnte dann die Nacht vor Hitze nicht schlafen :)

Am Sonntag haben wir noch einen Passeio mit dem Pferd gemacht. Ich hatte ja erst etwas schiss, da ich noch nie alleine geritten bin und dann auch noch durch die Wildnis aber dann hab ich bei mir gedacht, dass man doch immer wieder was neues ausprobieren sollte!

So befand ich mich dann am Sonntag morgen auf dem Ruecken eines Schimmels wieder und habe einen 1 1/2 stuendigen Passeio gemacht. Es war traumhaft kann ich nur sagen! Das Pferd wusste eigentlich immer genau wo es hinmusste und war nur etwas dreist, weil es das von Jette und Lara nie vorlassen wollte. Hat jette versucht mich zu ueberholen, dann ist meins gleich losgerast und einmal hab ich in dem Moment versucht ein Foto zu machen, das war knapp:)

Ich hab mich dann doch ein bisschen fuer mein Pferd geschaemt!

Die Landschaft ist so wunderschoen und es war so toll mal wieder aus der Stadt raus zu sein und frische Landluft einzuatmen!

Es war ein wunderschoenes Wochenende und wir hatten viel Spass. Leider ging es viel zu schnell zu Ende.

( http://www.mona-in-brazil.blogspot.com/)

Bilder auf meinem Fotoblog:

http://picasaweb.google.com/jetteaufreisen/EstaEsquentandoAquiItSGettingHotInHere

Schon in Kuerze kommt der naechste Bericht! Schliesslich stehen WM und „Dia dos Namorados“ an.

Bis baldigst!

Mais uma Festa!!

Wieder ein Monat rum und mit Stolz kann ich behaupten: Dieser war ein Monat der Feste!
 
Das erste nannte sich „Brasil Rural Contemporaneo“ und war eine Ausstellung verschiedenster Produkte aus ganz Brasilien. Jeder Bundesstaat hatte seine Ständchen und vom Schmuck aus Amazonia bis zum Mate-Tee aus Rio Grande do Sul gab es alles zu kaufen. Abends folgten der Ausstellung noch sehr preisgünstige Konzerte.
Die Ausstellung fand statt im alten Hafengelände, also dem „Fröhlichen Hafen“! Normalerweise ist der Hafen ehr zwielichtig statt fröhlich, wurde für die Festlichkeiten aber schick gemacht und machte so – vorallem bei den Konzerten bei Abendstimmung, Wassernähe und schöner Beleuchtung – schon viel her.
Lina und ich besuchten ein Konzert von Gilberto Gil, ein älterer Herr, vor wenigen Jahren noch Kulturminister Brasiliens. Ein anderes Konzert besuchte ich mit meiner Gastmama und -schwester, diesmal eine Sambatruppe aus Rio namens Monobloco.
http://www.youtube.com/watch?v=T7jK0MF9k6s

Die Ausstellung selbst besuchte ich an einem sommerlichen Herbstwochenende mit den Mädels, zusammen probierten – um nicht zu sagen „fraßen“ – wir uns durch die Essensstände. Anschließend unternahmen wir vom Hafen aus eine Bootstour durch unseren Rio Guaiba. Zwar ist der Rio selbst äußerst dreckig, befinden sich in ihm jedoch viele schöne grüne Inseln auf denen sich entweder Vilas oder Villen befinden. So schipperten wir nun vorbei an Holzhütten und Bonzenhäusern, unter uns das braune Wasser, neben uns die Inseln und dahinter das Hochhauspanorama Porto Alegres!

Das nächste Fest feierte ich im „Posto de Saúde“. „Saúde“ heißt Gesundheit und diese Postos sind Anlaufstellen für diese, die sie noch nicht haben. Größer als eine Arztpraxis, kleiner als ein Krankenhaus, staatlich und ständig überfüllt.

Nachdem ich mir beim trügerisch feucht-windigen Herbstwetter schon die erste Grippe geholt habe, entschloss ich mich zur in Brasilien kostenlosen Schweinegrippe-Impfung, gehöre ich durch den vielen Kontakt zu den Kindern ja auch zur Risikogruppe.

Diese Impfung kann man durchaus als kleines Fest veranstalten. Die Schlange, um in den Posto reinzukommen, war lang, nicht jeder kam rein, einen Ausweis musste ich auch zeigen, und drinnen war es laut. Die DJs waren mehrere burschikose Damen, die mich erst ins Zimmer ließen, als ich meinen Arm schon freigelegt hatte. Zack, rein das Zeug, Spritze raus, Wattepad, Danke, Auf Wiedersehen, Party vorbei. Nach einer Minute. Einen Kater hatte ich auch. Nicht im Kopf, aber dafür zwei Tage lang in den Armen.

Die nächste Party fand in meiner Capoeira-Schule statt. Ja, nach neun Monaten habe ich es endlich geschafft und mit Inga zusammen mit Capoeira angefangen.

http://www.youtube.com/watch?v=sJKRk9cQOZg

Nun leiden wir seit zwei Wochen an Dauermuskelkater in Armen, Beinen und Po (also eigentlich überall), haben unsere ersten Hand- und Kopfstände versucht, und uns so dermaßen verrenken müssen, dass wir uns schon mit Hals- und Beinbrüchen bei der nächsten Party im „Posto de Saúde“ sahen. Aber wir hatten Glück und wurden stattdessen zur eben dieser Festa in der Schule eingeladen, was sehr toll war, um die anderen Teilnehmer kennenzulernen. Es gab viel Bier, viel Raggae, viel Samba, eine tolle Live-Band und viele Rastazöpfe.

Apropos Samba. Ja, nach neun Monaten habe ich es endlich geschafft und mit Lina zusammen mit Samba angefangen. Dies verstärkt noch ein wenig den Muskelkater in den Beinen, verlangt weniger Verrenkungen, jedoch mehr Rhythmusgefühl. So treten Lina und ich nun jeden Donnerstag den Männern auf die Füße.

Das vorerst letzte Fest fand gestern in meinem Projekt statt. Es war eine Art Gemeinefest für Groß und Klein. Für die Großen gab es mehrere Infostände zum Thema Gesundheit (zB Sehtest, BMI, Aids, Impfungen), für die Kleinen gab es Hüpfburg, Trampolin und Clowns. Alles durchgeführt von verschiedenen Institutionen der Stadt. Unsere Projektkinder hatten zudem wieder eine Aufführung ihrer SomNaLata („Ton der Büchse“).

Das Fest war ein wahrer Erfolg. Richtig viele Leute sind gekommen, trotz kleiner Regeneinheiten, und wir hatten alle Hände voll zu tun. Ich half in der Küche unseres Projekts, denn es standen verschiedene Snacks im Angebot: Cachorro Quente (der von den Brasilianern liebevoll übersetzte Hot Dogs), Refris (Cola&Co.) und Milchreis (wie dem Deutschen seine Kartoffel, so dem Brasilianer sein Reis).

So verbrachte ich meinen Samstagnachmittag damit, Milchreis in Becher zu füllen und zu verkaufen. Ein geistig nicht krass anstrengende Arbeit, aber bei den überfüllten, warmen, stickigen Räumlichkeiten, vor dem Herd und in einem riesigen Topf eine zähe Masse rührend wenigstens körperlich einigermaßen fordernde.

Die letzte erwähenswerte Party findet nun seit neustem auf meinem Kopf statt. Nun ja. Meine lieben Projektkinder habe ich schon gern, Umarmungen sind schnell gegeben und Läuse somit schnell verteilt. Meine Kinder haben davon viele und ich nun auch!

Soweit die Festas, soweit der Mai.

Nochmals verweise ich auf meine Fotoseite, denn es gibt neue Fotos von der Bootstour und von dem Gemeindefest im Projekt! http://picasaweb.google.com/jetteaufreisen

Bis zum nächsten Mal!
 
 
 

 

Ja, ist denn bald Weihnachten?

Mit roten Wangen und roter Nase, dickem Pulli und frierend komme ich von der Arbeit nach Hause. Um 18 Uhr ist es schon dunkel geworden. Ich brauche mittlerweile wieder mehrere Decken um frostfrei schlafen zu können… der Winter naht! Tagsüber ist es in der Sonne noch warm, doch nachts wird es kühl. Dieses herbstliche Wetter lässt mich in der Tat vermuten, bald müsse Weihnachten sein. Dem ist leider nicht so, doch auch neben dieser schlechten Nachricht, muss ich leider noch von zwei weiteren berichten:

Zum einen fiel der Besuch meiner Mama leider ins Wasser, nein, in einen Vulkan, wenn man so will. Wer hätte gedacht, dass unser Wiedersehen an einem Wesen, das Eyjafjallajökull heißt, scheitert?!

Die zweite schlechte Nachricht ist der Tod der Direktorin unseres Projekts, unsere  Irmã (Schwester) Sibila. Ihr Todestag war für mich der schlimmste Tag hier in Brasilien.

Zum Glück wurde ich hier von meiner Gastfamilie sowie von den Mädels gut umsorgt und getröstet, und außerdem kann ich auch von viel positivem berichten:

Zum einen die Mail des ICJAs an uns Freiwillige bzgl. unseres Nachbereitungsseminars in Deutschland, dem eine Welle an Pinnwandeinträgen bei Facebook folgte, wer, wann, wo und bei welchem Seminar zugeteilt worden sei. Wir stellten mit Freude und Vorfreude fest: Fast die gesamte Meute des Vorbereitungsseminares in Großlohra findet sich nun auch in Friedrichroda zusammen: Daumen hoch!!

Weiterer schöner Hochpunkt war für mich persönlich natürlich mein Geburtstag:

Verbrachte ich diesen leider nicht wie geplant mit meiner Mama auf der Ilha Grande, habe ich jedoch auch hier in Porto Alegre einen wunderschönen Geburtstag erlebt:

Da der 21. April hier ein Feiertag ist und es Brasilianer anscheinend nicht als schlechtes Omen sehen, einen Geburtstag vorzufeiern, hatte meine Gastmama nun schon an meinem Vorgeburtstag Freunde und Familie zu einer Feijoada (Reis, Bohnen, Schweinefleisch…) eingeladen. Es war wirklich rührend! Die Wohnung vollkommen überfüllt mit Menschen, meine Gastmama hatte superlecker gekocht, und zum Essen wurde von allen (Gastoma, -opa, -tante… Bekanntschaften, Lina und Mona) mit einem „Prostschi“ auf meinen Geburtstag angestoßen.

Abends traf ich mich dann mit den Mädels in unserem Barviertel Cidade Baixa, um in mein 20. Lebensjahr hereinzufeiern. Nach zwei Caipirinhas sollte dieser Abend ein sehr lustiger werden, die Partyfotos sind der Wahnsinn und meine Mädels sowieso: Danke für den sehr sehr schönen Abend!

Morgens hatte mich Mona zum Frühstück eingeladen und so saßen wir – Mona, Anna und ich – mehr oder minder verkatert am wundervoll gedeckten Frühstückstisch (frisch gepresster Saft, Kuchen, French Toast…) und ließen es uns schmecken, bevor wir zu Arbeit aufbrachen.

Dort erwarteten mich meine Kollegen mit einem freudigen „Parabens pra voce“ und selbst einige meine Kinder hatten an meinen Geburtstag gedacht, ließen allerdings auch verlauten, sie seien der Meinung, mit 20 seie man bereit für Heirat und Kinder… ich muss mich also ranhalten.

Das wohl süßeste Geburtstagsgeschenk überreichte mir eine meiner Flötenschülerinnen: Ein mit Herzchen und Smileys verziertes Blatt mit dem Text: „Sora!!! (Abkürzung für Profesora) Schon beim ersten Mal, als ich Flötenunterricht bei Ihnen hatte, mochte ich Sie sehr. Ich werde Sie sehr vermissen, wenn Sie nach Deutschland zurückgehen. Küsschen, ihre liebe Schülerin Danieli“.

Auch der heutige Tag war ein durchaus positiver:

Denn heute war wieder ein Gre-Nal!!!

Ein Spiel der einzigen zwei Mannschaften, die Porto Alegre zu bieten hat:Gremio und Internacional.

Lernt man hier jemanden kennen, dann gehört zu den ersten drei Fragen auf jeden Fall, zu welchem dieser beiden Teams man gehöre. Fussball ist eine ernste Sache und so laufen schon die 4-jährigen Mädels in Gremio/Inter-Trikots herum. Beide Teams sind dazu natürlich absolut verfeindet! Und so sind die Gre-Nale die spannendsten Spiele überhaupt. Für so manchen Porto Alegrensen spannender als die WM.

Da meine Gastfamilien bisher alle zu Interfans waren, und ich zum Geburtstag außerdem ein Intertrikot bekommen habe, war für mich die Sache klar: Daumen drücken für Inter!!

In den letzten Wochen kämpften unsere beiden Mannschaften um den Pokal der Meisterschaften in Rio Grande do Sul. Vergleichbar zB mit den niedersächsischen Meisterschaften. Eine ganz große Sache also!!

Letzte Woche hatten Gremio und Inter schon gegeneinander gespielt. Ich, gekleidet in meinem Intertrikot, brach auf zu Lina, bei der wir gemeinsam mit ihrer Gastfamilie das Spiel verfolgen wollten. Und nun stand ich vor ihrer Haustür und musste was ertragen?! Eine Gremioflagge, die aus dem Fenster hing. Ich klingte, und wer machte es noch schlimmer?! Lina, die gut gelaunt in Vorfreude aufs Spiel, die Tür aufmachte – gekleidet im… Gremiotrikot!!

Traurig, aber wahr. Ich verbrachte einen Nachmittag inmitten Gremiofans! Und das schlimmste war: Gremio gewann auch noch. 2:0. Und ich wurde die gesamte Woche von Lina gepiesackt.

Heute nun das Rückspiel, dieses verbrachte ich mit den Mädels in einer Bar. Diese Bar scheint bevorzugt von Gremisten besucht zu werden. Und so war ich ganz froh, den Rat meiner Gastmama befolgt zu haben, mein Intertrikot der Sicherheit wegen lieber nicht anzuziehen.

Das Spiel zu verfolgen, war der reinste Spaß. Auch, weil Inter bereits nach fünf Minuten führte und Gremio heute äuuuuußerst schwach, schwach… schwach spielte. Auweia.

Nein, auch die äußeren Umstände ließen das Spiel zu einem Abendteuer werden. Die Bar gerammelt voll mit Gremiofans, selbst vor der Tür warteten Menschenmassen, die Blicke auf die Bildschirme zu erhaschen versuchten. Und schon fühlte ich mich wie im Stadion: Es wurde gegrölt, mitgefiebert, geflucht und gesungen als würde das Spiel gerade live in der Bar stattfinden.

Nun. Inter gewann. Es blieb bei den 1:0. Leider hätte Inter 3:0 spielen müssen, um den Pokel zu gewinnen.

So waren die Gremisten letztendlich doch wieder die glücklichen. Und nach dem Spiel gings erst richtig los: Die Straßen abgesperrt. Trommler unterwegs. Böllerei. Gremisten, die auf den Straßen tanzen. Gremisten, die Autokorsos starten. Und auch jetzt – fünf Stunden nach dem Spiel – höre ich in meinem Zimmer das Hupen der Fans.

Welche Schmach… doch weckt dies auch Vorfreude auf die WM, wenn dann hoffentlich genauso Party wie jetzt angesagt ist!

Bis dahin, eure Jette

Übrigens: Schon seit dem letztem Bericht fülle ich bei Picasa den Ordner „Fröhlicher Herbst im fröhlichen Hafen“ in regelmäßigen Abständen mit Fotos auf! http://picasaweb.google.com/jetteaufreisen/FrohlicherHerbstImFrohlichenHafen 

 

 

Fröhlicher Herbst im Fröhlichen Hafen

... nur noch 4 Monate!!

Boa tarde ihr Lieben!

Nach einer Woche Osterurlaub in Rio de Janeiro melde ich mich wieder einmal!

Natürlich sollt ihr bzgl. meiner Reiseerfahrungen- und erlebnisse nicht unwissend bleiben. Ihr findet meinen Bericht auf meinem Zweitblog: http://urlaubimurwald.wordpress.com/

Was gibt es sonst neues zu berichten?!

Wie euch der Titel dieses Artikels schon sagt, ist der Herbst nun endgültig bei uns angekommen. Inzwischen musste ich auch schon wieder in festen Schuhen zur Arbeit fahren, die ersten Blasen ließen nicht lange auf sich warten. Nachts wird es schon wieder sehr kühl, tagsüber ist es jedoch nach wie vor wunderschön warm/heiß. Wie ich schon im letzten Artikel angedeutet hatte: Gerade erleben wir das wohl beste Wetter, dass man in Porto Alegre erleben kann. Es regnet nicht bzw. zumindest nicht so häufig. Man schwitzt nicht mehr, wenn man vor dem Ventilator sitzt. Man braucht aber auch noch keine 10 Decken, wenn man nachts ohne Frieren schlafen möchte.

Auch sonst läuft zur Zeit alles rund.

In meinem Projekt flossen bei dem Gedanken, dass ich im August wieder zurück nach Deutschland fliege, schon die ersten Tränen. Selbst meine Kinder merken, dass diese vier Monate schnell vergehen werden und stürmen jedes Mal in meinen Flötenunterricht, als wäre es ihre letzte Stunde. Ohne Spaß. Sie sind sogar bereit, Noten lesen zu lernen! Lernen! Zwar gibt es nachwievor anstrengende Stunden, aber oft läuft es auch richtig gut und wir kommen sehr gut voran. Meine Kinder lachen nicht mehr so viel über mein Portugiesisch, hören auf mich und es sind nicht mehr nur die Musterkinder, die sich anstrengen. :-)

Gestern Abend waren wir dann nach – in meinem Fall – langer Zeit mal wieder feiern. Zwar besuchte ich vor zwei Wochen eine Disko im hiesigen Partyviertel Cidade Baixa, doch stellte sich der DJ als schlechtester aller Zeiten heraus und ich befand mich bereits um 2 Uhr nachts schon wieder zu Hause im Bett.

Nun lief es besser. Mona und ich lösten Linas Gutscheine aus dem Adventskalender ein und so saßen wir lustig kichernd und quatschend mit einem sehr gut gelungenen Caipirinha bei Mona. Schließlich trafen wir uns mit anderen Freiwilligen vor einer Bar, die sich als gute Wahl herausstellte: Die Musik war diesmal vernünftig. In Porto Alegre ist es üblich, dass neben dem DJ auch immer eine Band spielt, natürlich spielt diese meist Samba. Zwar ist dieser Teil immer etwas deprimierend, wenn man sieht, wie toll alle tanzen können, doch fand ich es toll, als ich merkte, dass ich den ein oder anderen Text schon mitsingen konnte.

Was ich an solchen Feierabenden immer liebe, ist es, die Leute zu beobachten. Die Pärchen möchte man manchmal am liebsten vergiften, so eklig ist es, wenn man sie beim Rumknutschen sieht. Pärchen hängen hier generell ständig und immer aufeinander und knutschen und knuddeln. Ganz furchtbar. :-)

Interessant ist auch die Mode. Manchmal frage ich mich, ob alle Brüste echt sind, die mir da so entgegen kommen. Doch ich hoffe mal, dass die meisten einfach nur übertrieben gepusht wurden. Die Mädels takeln sich für das Feierngehen schon stark auf, da geht das Kleidchen von knapp über den Nippeln bis kurz unter den Po.

Aaaaber: Es ist ja nicht so, dass wir uns nicht langsam brasilianisieren würden. So langsam kommt ein neuer Trend unter uns Freiwilligen auf! Wir lackieren uns die Fingernägel! Unglaublich: Vor nicht allzulanger Zeit knabberte ich noch daran, jetzt sind sie rot lackiert. Rot!!

Das waren eigentlich auch schon die wichtigsten Neuigkeiten aus Porto Alegre. Bei kommenden Farbwechseln meiner Fingernägel halte ich euch natürlich auch in Zukunft auf dem Laufenden.

Ganz liebe Grüße!

Nach dem Urlaub im Urwald…

  

... und nach Kletteraktionen an den schönsten Stränden Brasiliens!

 
 Meine lieben Daheimgebliebenen,
nun ist schon wieder fast ein Monat vergangen, seit ich aus dem Urlaub zurückgekehrt bin. So lange habe ich – peinlich, peinlich – dafür gebraucht, mein Reisetagebuch abzuschreiben, alle Bilder zu ordnen und all dies auf einen neuen Blog zu packen. Und so präsentiere ich nach wochenlangen Mühen:
http://urlaubimurwald.wordpress.com/
Jedoch muss ich dazusagen, dass ich die letzten vier Wochen nicht ausschließlich am Laptop gesessen habe.
In so ziemlich von jedem Bereich meines Alltagslebens kann ich Neues berichten.

So bin ich zum Beispiel wieder einmal umgezogen:

Leider wohnen Mona und ich jetzt wieder getrennt voneinander. So schwierig es für mich anfangs war, mir mit jemandem ein Zimmer zu teilen, nachdem ich fünf Jahre lang zu Hause im Keller so allein sein konnte, wie ich wollte, so traurig bin ich nun, keinen mehr zu haben, mit dem ich nach der Arbeit über alles reden kann – auf deutsch…

Jetzt wohne ich bei einer Anwältin namens Luciana und ihrer 17-jährigen Tochter Beatriz. Die beiden sind sehr, sehr nett und interessiert und ich fühle mich sehr wohl bei ihnen. Dazu kommt noch die tolle Erfahrung, dass mein Portugiesisch nun schon so gut geworden ist, dass ich von Beginn an keine Kommunikationsprobleme hatte.

Mein Zimmer ist recht klein, dafür habe ich aber einen großen Schrank und sogar ein Regal! Ein solches konnte ich in Brasilien bisher noch nicht mein Eigen nennen. Außerdem wohne ich nun im 10. Stock eines Hochhauses, habe einen wahnsinnig tollen Ausblick über das Meer von Hochhäusern in Porto Alegre und der Sonnenuntergang befindet sich auch auf meiner Seite.

Dazu muss ich erwähnen, dass meine Gastfamilie recht reich zu sein scheint. Nicht nur, dass sich die Wohnung in einer sehr zentralen und hübschen Gegend befindet. Im Haus ist immer ein Sicherheitsmann anwesend. Der Wocheneinkauf wird vom Supermarkt in die Wohnung geliefert – ich traute meinen Augen nicht, als ein Angestellter des Supermarkts plötzlich mit dem Einkaufswagen vor der Tür stand. Wir gehen ständig essen – und das nicht in der schlichten Imbissbude nebenan. Unsere Putzfrau kommt an jedem Werktag. Und weil meine Gastschwester kein zu einem Konzert der zur Zeit tourenden Band Aerosmith gehen würde, wird nun überlegt, ob Tickets für die Show in Sao Paulo, Buenos Aires oder Santiago de Chile gekauft werden sollen.

Bei dieser Gelegenheit erinnere ich mich an das Gespräch mit einer meiner Arbeitskolleginnen kurz nach dem Urlaub:

Ich fragte sie, wo sie denn ihren Urlaub verbracht habe, ob sie gereist sei. Die Antwort: „Nun ja, ich war drei Tage an einem Strand hier in Rio Grande do Sul, aber nächstes Jahr fahre ich vielleicht mal nach Florianópolis – wenn Gott will!“

Upps. Die Strände des unsrigen Bundesstaates Rio Grande do Sul sind vergleichbar mit der Nordsee. Nach Florianópolis hatte ich mal eben einen Wochenendtrip gestartet…

Da sind wir auch schon bei meiner Arbeit.

In meiner ersten Arbeitswoche waren noch keine Kinder dort, stattdessen saß ich nur auf langweiligen Teambesprechungen. Schockierend ist manchmal, was alles geklärt werden muss. So bekamen wir Mitarbeiter einen Zettel mit den „Hausregeln“. Darauf stand unter anderem der Hinweis, dass wir Mitarbeiter es doch bitte vermeiden sollten, während der Arbeitszeit private Gespräche bei MSN zu führen oder Emails zu schreiben. Mal abgesehen davon, dass ich bisher null Erfahrungen in der deutschen Arbeitswelt gesammelt habe, bin ich mir relativ sicher, dass eine solche Regel einfach klar ist.

Mittlerweile sind wieder Kinder im Projekt, jedoch nur wenige, da erst ab April wieder der Busgeld vom Projekt bezahlt wird. Zur Zeit kommen nur solche Kinder, die in der Nähe wohnen.

Neu bei mir im Projekt sind zweierlei Dinge:

Zum einen wurde nun eine neue Musiklehrerin eingestellt. Sie wird mit bei den Flötenstunden helfen, viel interessanter ist für mich jedoch, dass sie ein ganz neues SomNaLata-Projekt mit den Kindern erarbeiten wird und ich ihr dabei helfen soll. Hier zur Erinnerung: SomNaLata heißt übersetzt „Ton der Büchse“. Wir spielen also mit den Kindern Musik auf recycelten Instrumenten.

Zum zweiten darf ich neuerdings bei den Familienvisiten dabei sein. Da nur Kinder zu unserem Porjekt kommen dürfen, die arm sind – schließlich bekommen sie Mittagessen usw. gratis, müssen Familienbesuche organisiert und die Armut sozusagen kontrolliert werden.

Das ist eine schwierige Aufgabe: Meine Kollegen fahren zum Haus, sitzen auf dem Sofa, wagen es aber nicht, sich groß umzuschauen oder gar einzelne „Zimmer“ anzusehen. Stattdessen folgt ein Gespräch mit den Eltern. Hier wird wieder ganz direkt gefragt, wie viel verdient wird, ob Strom bezahlt oder illegal abgezweigt wird, ob das Haus auch aus Betonteilen besteht oder nur aus Holz und ob die Familie über einen Kühlschrank, Waschmaschine, warmes Wasser usw. verfügt.

Bisher war ich einmal mitgekommen: Wir fuhren in ein Armenviertel, eine Vila, hinein und eigentlich ist schon hier klar, dass die Familien nur arm sein können: Fast aussschließlich nur Holzhütten, Sandstraßen, Müll, Gestank, Straßenhunde… Schlimm fand ich es, als ich zwei meiner Projektkinder im Müll spielen sah, die sich über ihre „Professora Ietschi“ freuten und mir gleich ihr „Haus“ zeigten.

In den Häusern selbst herrschte mehr Ordnung, als ich gedacht hätte. Zwar stank es und es war schmutzig, aber es war aufgeräumt, es war deutlich zu sehen, wo die einzelnen „Zimmer“ sein sollen. Außerdem wurden wir in jeder Familie – drei Besuche haben wir abgehalten – gastfreundlich aufgenommen, trotz der befremdlichen Situation, dass es nun ins Eingemachte und an die Privatsphäre geht.

Im Projekt und in meiner neuen Gastfamilie geht es mir also sehr gut. Ansonsten kreist uns Freiwilligen zur Zeit ehr sehr oft der Gedanke im Kopf: „Es sind ja schon mehr als sieben Monate vorbei!“.

Den Frühling und den Sommer haben wir geschafft.

Ich muss sagen, dass ich erst hier in Brasilien gelernt habe, was Hitze bedeutet. Sicher, mir war in Deutschland auch schon mal warm. Aber: Es ist schon krass, wenn man schwitzend aus der Dusche steigt, wenn den ganzen Tag der Ventilator läuft. Wenn man sitzt und eigentlich nichts macht und einem ein Schweißtröpfchen von der Nase kullert. Wenn sich zwischen dem großen Zeh und dem daneben schon eine Spalte bildet, weil man seit fünf Monaten nur (!) Flip-Flops getragen hat. Bei dem Gedanken, bald wieder feste Schuhe tragen zu müssen, bekomme ich Platzangst.

Zum Glück ist jetzt noch Spätsommer – die bisher, wie ich finde, beste Jahreszeit, die ich hier in Brasilien erlebt habe. Tagsüber ist es warm bis heiß, doch nachts kühlt es schon wieder ab und man braucht sogar wieder ein Bettlaken, um sich zuzudecken… :-)

Ich wünsche euch viel Spaß beim Durchforsten meines neuen Urlaubsblogs!

Ganz liebe Grüße,

eure Jette

Kleiner Einschub!

Der Silvesterabend auf der Puente de la Mujer in Buenos Aires!

Zuallererst wünsche ich euch natürlich ein ganz tolles, erfolgreiches neues Jahr 2010! Ich hoffe, ihr seit schön reingerutscht!

Geschäftig wie ich ja sonst eigentlich bin, habe ich heute – an meinem vorerst letzen Tag in Porto Alegre – die Möglichkeit, schon mal die ersten Fotos der großen Rundreise online stellen zu können –> http://picasaweb.google.com/jetteaufreisen/LuxusRundreiseTeil1

Morgen geht die Reise weiter – dann gehts nach Belém an den Amazonas und von dort aus mit dem Bus Stück für Stück weiter bis nach Salvador immer an den Stränden Brasiliens entlang! Luxus pur! Und ich freue mich schon sehr!

Bis bald!

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