Jette in Brasilien

Freiwilligendienst in Porto Alegre

Ja, ist denn bald Weihnachten?

Mit roten Wangen und roter Nase, dickem Pulli und frierend komme ich von der Arbeit nach Hause. Um 18 Uhr ist es schon dunkel geworden. Ich brauche mittlerweile wieder mehrere Decken um frostfrei schlafen zu können… der Winter naht! Tagsüber ist es in der Sonne noch warm, doch nachts wird es kühl. Dieses herbstliche Wetter lässt mich in der Tat vermuten, bald müsse Weihnachten sein. Dem ist leider nicht so, doch auch neben dieser schlechten Nachricht, muss ich leider noch von zwei weiteren berichten:

Zum einen fiel der Besuch meiner Mama leider ins Wasser, nein, in einen Vulkan, wenn man so will. Wer hätte gedacht, dass unser Wiedersehen an einem Wesen, das Eyjafjallajökull heißt, scheitert?!

Die zweite schlechte Nachricht ist der Tod der Direktorin unseres Projekts, unsere  Irmã (Schwester) Sibila. Ihr Todestag war für mich der schlimmste Tag hier in Brasilien.

Zum Glück wurde ich hier von meiner Gastfamilie sowie von den Mädels gut umsorgt und getröstet, und außerdem kann ich auch von viel positivem berichten:

Zum einen die Mail des ICJAs an uns Freiwillige bzgl. unseres Nachbereitungsseminars in Deutschland, dem eine Welle an Pinnwandeinträgen bei Facebook folgte, wer, wann, wo und bei welchem Seminar zugeteilt worden sei. Wir stellten mit Freude und Vorfreude fest: Fast die gesamte Meute des Vorbereitungsseminares in Großlohra findet sich nun auch in Friedrichroda zusammen: Daumen hoch!!

Weiterer schöner Hochpunkt war für mich persönlich natürlich mein Geburtstag:

Verbrachte ich diesen leider nicht wie geplant mit meiner Mama auf der Ilha Grande, habe ich jedoch auch hier in Porto Alegre einen wunderschönen Geburtstag erlebt:

Da der 21. April hier ein Feiertag ist und es Brasilianer anscheinend nicht als schlechtes Omen sehen, einen Geburtstag vorzufeiern, hatte meine Gastmama nun schon an meinem Vorgeburtstag Freunde und Familie zu einer Feijoada (Reis, Bohnen, Schweinefleisch…) eingeladen. Es war wirklich rührend! Die Wohnung vollkommen überfüllt mit Menschen, meine Gastmama hatte superlecker gekocht, und zum Essen wurde von allen (Gastoma, -opa, -tante… Bekanntschaften, Lina und Mona) mit einem “Prostschi” auf meinen Geburtstag angestoßen.

Abends traf ich mich dann mit den Mädels in unserem Barviertel Cidade Baixa, um in mein 20. Lebensjahr hereinzufeiern. Nach zwei Caipirinhas sollte dieser Abend ein sehr lustiger werden, die Partyfotos sind der Wahnsinn und meine Mädels sowieso: Danke für den sehr sehr schönen Abend!

Morgens hatte mich Mona zum Frühstück eingeladen und so saßen wir – Mona, Anna und ich – mehr oder minder verkatert am wundervoll gedeckten Frühstückstisch (frisch gepresster Saft, Kuchen, French Toast…) und ließen es uns schmecken, bevor wir zu Arbeit aufbrachen.

Dort erwarteten mich meine Kollegen mit einem freudigen “Parabens pra voce” und selbst einige meine Kinder hatten an meinen Geburtstag gedacht, ließen allerdings auch verlauten, sie seien der Meinung, mit 20 seie man bereit für Heirat und Kinder… ich muss mich also ranhalten.

Das wohl süßeste Geburtstagsgeschenk überreichte mir eine meiner Flötenschülerinnen: Ein mit Herzchen und Smileys verziertes Blatt mit dem Text: “Sora!!! (Abkürzung für Profesora) Schon beim ersten Mal, als ich Flötenunterricht bei Ihnen hatte, mochte ich Sie sehr. Ich werde Sie sehr vermissen, wenn Sie nach Deutschland zurückgehen. Küsschen, ihre liebe Schülerin Danieli”.

Auch der heutige Tag war ein durchaus positiver:

Denn heute war wieder ein Gre-Nal!!!

Ein Spiel der einzigen zwei Mannschaften, die Porto Alegre zu bieten hat:Gremio und Internacional.

Lernt man hier jemanden kennen, dann gehört zu den ersten drei Fragen auf jeden Fall, zu welchem dieser beiden Teams man gehöre. Fussball ist eine ernste Sache und so laufen schon die 4-jährigen Mädels in Gremio/Inter-Trikots herum. Beide Teams sind dazu natürlich absolut verfeindet! Und so sind die Gre-Nale die spannendsten Spiele überhaupt. Für so manchen Porto Alegrensen spannender als die WM.

Da meine Gastfamilien bisher alle zu Interfans waren, und ich zum Geburtstag außerdem ein Intertrikot bekommen habe, war für mich die Sache klar: Daumen drücken für Inter!!

In den letzten Wochen kämpften unsere beiden Mannschaften um den Pokal der Meisterschaften in Rio Grande do Sul. Vergleichbar zB mit den niedersächsischen Meisterschaften. Eine ganz große Sache also!!

Letzte Woche hatten Gremio und Inter schon gegeneinander gespielt. Ich, gekleidet in meinem Intertrikot, brach auf zu Lina, bei der wir gemeinsam mit ihrer Gastfamilie das Spiel verfolgen wollten. Und nun stand ich vor ihrer Haustür und musste was ertragen?! Eine Gremioflagge, die aus dem Fenster hing. Ich klingte, und wer machte es noch schlimmer?! Lina, die gut gelaunt in Vorfreude aufs Spiel, die Tür aufmachte – gekleidet im… Gremiotrikot!!

Traurig, aber wahr. Ich verbrachte einen Nachmittag inmitten Gremiofans! Und das schlimmste war: Gremio gewann auch noch. 2:0. Und ich wurde die gesamte Woche von Lina gepiesackt.

Heute nun das Rückspiel, dieses verbrachte ich mit den Mädels in einer Bar. Diese Bar scheint bevorzugt von Gremisten besucht zu werden. Und so war ich ganz froh, den Rat meiner Gastmama befolgt zu haben, mein Intertrikot der Sicherheit wegen lieber nicht anzuziehen.

Das Spiel zu verfolgen, war der reinste Spaß. Auch, weil Inter bereits nach fünf Minuten führte und Gremio heute äuuuuußerst schwach, schwach… schwach spielte. Auweia.

Nein, auch die äußeren Umstände ließen das Spiel zu einem Abendteuer werden. Die Bar gerammelt voll mit Gremiofans, selbst vor der Tür warteten Menschenmassen, die Blicke auf die Bildschirme zu erhaschen versuchten. Und schon fühlte ich mich wie im Stadion: Es wurde gegrölt, mitgefiebert, geflucht und gesungen als würde das Spiel gerade live in der Bar stattfinden.

Nun. Inter gewann. Es blieb bei den 1:0. Leider hätte Inter 3:0 spielen müssen, um den Pokel zu gewinnen.

So waren die Gremisten letztendlich doch wieder die glücklichen. Und nach dem Spiel gings erst richtig los: Die Straßen abgesperrt. Trommler unterwegs. Böllerei. Gremisten, die auf den Straßen tanzen. Gremisten, die Autokorsos starten. Und auch jetzt – fünf Stunden nach dem Spiel – höre ich in meinem Zimmer das Hupen der Fans.

Welche Schmach… doch weckt dies auch Vorfreude auf die WM, wenn dann hoffentlich genauso Party wie jetzt angesagt ist!

Bis dahin, eure Jette

Übrigens: Schon seit dem letztem Bericht fülle ich bei Picasa den Ordner “Fröhlicher Herbst im fröhlichen Hafen” in regelmäßigen Abständen mit Fotos auf! http://picasaweb.google.com/jetteaufreisen/FrohlicherHerbstImFrohlichenHafen 

 

 

1 Kommentar»

  Niklas hat @ geschrieben

Heyhey :)
Danke für deinen Kommentar! Du überlegst dir lieber auch nochmal so tolle Sachen für Friedrichsdingsbums!

Versuch, dich nicht zu erkälten :P

Nick


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