Jette in Brasilien

Freiwilligendienst in Porto Alegre

Mais uma Festa!!

Wieder ein Monat rum und mit Stolz kann ich behaupten: Dieser war ein Monat der Feste!
 
Das erste nannte sich “Brasil Rural Contemporaneo” und war eine Ausstellung verschiedenster Produkte aus ganz Brasilien. Jeder Bundesstaat hatte seine Ständchen und vom Schmuck aus Amazonia bis zum Mate-Tee aus Rio Grande do Sul gab es alles zu kaufen. Abends folgten der Ausstellung noch sehr preisgünstige Konzerte.
Die Ausstellung fand statt im alten Hafengelände, also dem “Fröhlichen Hafen”! Normalerweise ist der Hafen ehr zwielichtig statt fröhlich, wurde für die Festlichkeiten aber schick gemacht und machte so – vorallem bei den Konzerten bei Abendstimmung, Wassernähe und schöner Beleuchtung – schon viel her.
Lina und ich besuchten ein Konzert von Gilberto Gil, ein älterer Herr, vor wenigen Jahren noch Kulturminister Brasiliens. Ein anderes Konzert besuchte ich mit meiner Gastmama und -schwester, diesmal eine Sambatruppe aus Rio namens Monobloco.
http://www.youtube.com/watch?v=T7jK0MF9k6s

Die Ausstellung selbst besuchte ich an einem sommerlichen Herbstwochenende mit den Mädels, zusammen probierten – um nicht zu sagen “fraßen” – wir uns durch die Essensstände. Anschließend unternahmen wir vom Hafen aus eine Bootstour durch unseren Rio Guaiba. Zwar ist der Rio selbst äußerst dreckig, befinden sich in ihm jedoch viele schöne grüne Inseln auf denen sich entweder Vilas oder Villen befinden. So schipperten wir nun vorbei an Holzhütten und Bonzenhäusern, unter uns das braune Wasser, neben uns die Inseln und dahinter das Hochhauspanorama Porto Alegres!

Das nächste Fest feierte ich im “Posto de Saúde”. “Saúde” heißt Gesundheit und diese Postos sind Anlaufstellen für diese, die sie noch nicht haben. Größer als eine Arztpraxis, kleiner als ein Krankenhaus, staatlich und ständig überfüllt.

Nachdem ich mir beim trügerisch feucht-windigen Herbstwetter schon die erste Grippe geholt habe, entschloss ich mich zur in Brasilien kostenlosen Schweinegrippe-Impfung, gehöre ich durch den vielen Kontakt zu den Kindern ja auch zur Risikogruppe.

Diese Impfung kann man durchaus als kleines Fest veranstalten. Die Schlange, um in den Posto reinzukommen, war lang, nicht jeder kam rein, einen Ausweis musste ich auch zeigen, und drinnen war es laut. Die DJs waren mehrere burschikose Damen, die mich erst ins Zimmer ließen, als ich meinen Arm schon freigelegt hatte. Zack, rein das Zeug, Spritze raus, Wattepad, Danke, Auf Wiedersehen, Party vorbei. Nach einer Minute. Einen Kater hatte ich auch. Nicht im Kopf, aber dafür zwei Tage lang in den Armen.

Die nächste Party fand in meiner Capoeira-Schule statt. Ja, nach neun Monaten habe ich es endlich geschafft und mit Inga zusammen mit Capoeira angefangen.

http://www.youtube.com/watch?v=sJKRk9cQOZg

Nun leiden wir seit zwei Wochen an Dauermuskelkater in Armen, Beinen und Po (also eigentlich überall), haben unsere ersten Hand- und Kopfstände versucht, und uns so dermaßen verrenken müssen, dass wir uns schon mit Hals- und Beinbrüchen bei der nächsten Party im “Posto de Saúde” sahen. Aber wir hatten Glück und wurden stattdessen zur eben dieser Festa in der Schule eingeladen, was sehr toll war, um die anderen Teilnehmer kennenzulernen. Es gab viel Bier, viel Raggae, viel Samba, eine tolle Live-Band und viele Rastazöpfe.

Apropos Samba. Ja, nach neun Monaten habe ich es endlich geschafft und mit Lina zusammen mit Samba angefangen. Dies verstärkt noch ein wenig den Muskelkater in den Beinen, verlangt weniger Verrenkungen, jedoch mehr Rhythmusgefühl. So treten Lina und ich nun jeden Donnerstag den Männern auf die Füße.

Das vorerst letzte Fest fand gestern in meinem Projekt statt. Es war eine Art Gemeinefest für Groß und Klein. Für die Großen gab es mehrere Infostände zum Thema Gesundheit (zB Sehtest, BMI, Aids, Impfungen), für die Kleinen gab es Hüpfburg, Trampolin und Clowns. Alles durchgeführt von verschiedenen Institutionen der Stadt. Unsere Projektkinder hatten zudem wieder eine Aufführung ihrer SomNaLata (“Ton der Büchse”).

Das Fest war ein wahrer Erfolg. Richtig viele Leute sind gekommen, trotz kleiner Regeneinheiten, und wir hatten alle Hände voll zu tun. Ich half in der Küche unseres Projekts, denn es standen verschiedene Snacks im Angebot: Cachorro Quente (der von den Brasilianern liebevoll übersetzte Hot Dogs), Refris (Cola&Co.) und Milchreis (wie dem Deutschen seine Kartoffel, so dem Brasilianer sein Reis).

So verbrachte ich meinen Samstagnachmittag damit, Milchreis in Becher zu füllen und zu verkaufen. Ein geistig nicht krass anstrengende Arbeit, aber bei den überfüllten, warmen, stickigen Räumlichkeiten, vor dem Herd und in einem riesigen Topf eine zähe Masse rührend wenigstens körperlich einigermaßen fordernde.

Die letzte erwähenswerte Party findet nun seit neustem auf meinem Kopf statt. Nun ja. Meine lieben Projektkinder habe ich schon gern, Umarmungen sind schnell gegeben und Läuse somit schnell verteilt. Meine Kinder haben davon viele und ich nun auch!

Soweit die Festas, soweit der Mai.

Nochmals verweise ich auf meine Fotoseite, denn es gibt neue Fotos von der Bootstour und von dem Gemeindefest im Projekt! http://picasaweb.google.com/jetteaufreisen

Bis zum nächsten Mal!
 
 
 

 

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